Die Geschichte der Klasse Pro10 und der dazugehörigen Rennserie RC LeMans ist eng mit der Evolution der elektrisch betriebenen Glattbahn-Modellautos (Pan Cars) im Maßstab 1:10 verbunden.
1. Die Entstehung der Klasse „Pro10“ (USA)
Die Wurzeln der Pro10-Klasse liegen in der Mitte der 1980er-Jahre in den USA. Bis zu diesem Zeitpunkt dominierten vor allem kleinere Modelle im Maßstab 1:12 den Elektro-On-Road-Bereich.
- Die Pioniere (1985): Als Geburtsstunde reiner 1:10er On-Road Pan Cars gilt die Vorstellung des Invader-Chassis durch die Firma Bolink sowie der Lynks Pro 10-Prototyp von Composite Craft bei den WinterNationals 1985 in Orlando, Florida.
- Offizielle Einführung (1987): 1987 wurde die Klasse Pro10 erstmals offiziell in der US-amerikanischen Rennserie der ROAR (Radio Operated Auto Racing) ausgetragen. Damals startete man mit 8,4-Volt-Akkus (7 Zellen), Einheitsmotoren (Stock) und einer Fahrzeit von 5 Minuten. Die Fahrzeuge besetzten die typische Starrachse hinten und Moosgummireifen.
2. Einführung und Boom in Europa und Deutschland
Der Sprung über den Atlantik gelang rasant, da die Fahrzeuge durch ihre einfache, extrem leichte Bauweise (Carbon-Chassis, Heckantrieb) und ihre spektakulären Geschwindigkeiten faszinierten.
- Der europäische Start (1989/1991): Das erste große internationale Pro10-Rennen auf europäischem Boden fand 1989 in Pörtschach (Österreich) statt. 1991 folgte ein Meilenstein für Europa: Die erste offizielle Pro10-Europameisterschaft wurde beim MRC Oberhausen in Deutschland ausgetragen. Erster Europameister wurde Ralf Krause auf einem Chassis des niederländischen Herstellers Corally.
- Etablierung in Deutschland (1990): Der Deutsche Minicar Club (DMC) schrieb im Jahr 1990 die erste offizielle Deutsche Meisterschaft für die Klasse Pro10 aus.
- Die Weltmeisterschaften (1992 & 1994): Die Klasse erreichte ihren absoluten Höhepunkt, als 1992 in Pomona (USA) die erste IFMAR-Weltmeisterschaft stattfand. Die zweite Pro10-Weltmeisterschaft wurde 1994 im thüringischen Sonneberg (Deutschland) ausgetragen, was der Klasse hierzulande einen enormen Popularitätsschub verpasste.
Um die Jahrtausendwende ging das Interesse an Pro10 durch den weltweiten Boom der allradgetriebenen Tourenwagen (Vorteile bei der Haftung auf Asphalt) jedoch drastisch zurück. Viele Hersteller stellten die Produktion ein, und Pro10 drohte zu einer Nischen- oder reinen „Vintage“-Klasse zu werden.
3. Die Rennserie „RC LeMans“: Die Rettung der Klasse
Um das Aussterben der faszinierenden Pan-Car-Klasse zu verhindern, wurde 2006 die Rennserie RC LeMans ins Leben gerufen. Die Serie feiert im Jahr 2026 ihr 20-jähriges Jubiläum und ist damit eine der ältesten und beständigsten privaten Rennserien im europäischen RC-Modellbau.
- Das Konzept: Das Ziel der Gründerväter war es, eine unkomplizierte, länderübergreifende Plattform zu schaffen, auf der die 235 mm breiten (bzw. später auch die schmaleren 200 mm) Pro10-Fahrzeuge kostengünstig und mit maximalem Fahrspaß bewegt werden konnten. Die Rennserie war ein Pionier bei der Zulassung neuer, flexiblerer Reglements. gefahren wird vor allem im Westen Deutschlands sowie in den angrenzenden Nachbarländern (z. B. auf Strecken in Genk/Belgien, den Niederlanden, oder Luxemburg).
- Klasseneinteilung (aktueller Stand): Die Serie teilt sich primär in zwei Leistungsstufen, die sich an optisch spektakulären Langstrecken-Prototypen orientieren:
- LMP1 (Modified): Die Königsklasse. Ohne Motorlimitierung, extrem schnell und materialschwer.
- LMP2 (Stock): Die einsteigerfreundlichere Klasse. Um die ausufernden Geschwindigkeiten durch moderne Brushless-Motoren einzudämmen, wurde zum Jubiläumsjahr 2026 das Limit von 10.5T auf 13.5T-Motoren angehoben (wobei auch noch langsamere 17.5T-Motoren erlaubt sind).
Dank der RC LeMans Rennserie und des parallel dazu ausgetragenen European Pro10 Cups hat sich die Klasse stabilisiert. Heute gilt Pro10 im Sommer als die absolute „Formel 1“ des Elektro-Modellsports auf asphaltierten Außenbahnen
